Asylbewerber zentrales Synodenthema


Von Hans Eder


Traunreut. Um Asylbewerber im Dekanatsbezirk ging es bei der Frühjahrssynode des evangelisch-lutherischen Dekanats Traunstein, dem die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting angehören. Hintergrund des Themas ist die Tatsache, dass sich im Dekanat derzeit bereits um die 1200 Asylbewerber aufhalten, mit steigender Tendenz und in etwa doppelt so viel wie noch vor Jahresfrist, die zum Teil nur sehr unzureichend betreut werden. Ein weiteres Thema waren die Finanzen: der Haushalt, die Art der Geldanlage und die Details der Ergänzungszuweisung.

Die rund 60 Synodalen im Saal des Wilhelm-Löhe-Zentrums in Traunreut bekamen von verschiedenen Mitarbeitern beziehungsweise Betroffenen einen eindrucksvollen Einblick in den tristen Alltag und die vielfältigen Probleme der Asylanten in den vier Landkreisen. Ein Teil von ihnen ist in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht und genießt damit zumindest eine gewisse Betreuung. Ein größerer Teil aber in dezentral, zumeist in Gaststätten und Pensionen, untergebracht, und hier ist die Betreuung schwieriger und muss sich erst auch noch einspielen. Denn viele Asylbewerber sind ja erst vor kurzem eingetroffen, und beinahe täglich kommen neue dazu.

Das Diakonische Werk hat mit Annemarie Peter und Britta Barth inzwischen zwei Mitarbeiterinnen, die sich zunächst im Wesentlichen mit den großen Gemeinschaftsunterkünften im Norden und Süden des Landkreises Traunstein befassen. Für die Gemeinschaftsunterkünfte der anderen drei Landkreise sind vorrangig andere Organisationen zuständig. Von ehrenamtlicher Seite aus versuchen Rosi Auer und Helga Brandt die Situation der Asylbewerber im Heim in Engelsberg im Norden des Landkreises Traunstein zu verbessern, indem sie Hilfen, Beschäftigung, Theaterbesuche und Einkaufsmöglichkeiten organisieren - bis hin zur Hebamme, die bei Entbindungen hilft.

In Traunstein gibt es einen monatlichen Treff für Asylanten unter dem Motto „Café International“. Peter Klenzan vom Labenbachhof in Ruhpolding stellte das Modell „Pflegekinder“ vor, in dessen Rahmen minderjährige Asylbewerber Anschluss an Familien finden könnten. Inga Schübl berichtete aus Altötting, wo die Kirchengemeinde einer Asylbewerberfamilie über Monate hinweg Kirchenasyl gewährt hatte. Und besonders eindrucksvoll war die Geschichte eines 17-Jährigen, der nach einer abenteuerlichen Flucht im Landkreis Traunstein angekommen ist, nachdem in Afghanistan zwei Brüder und seine Mutter erschossen worden sind.

Beim Diakonischen Werk Traunstein, das traditionell eng mit dem Dekanat zusammenarbeitet, ist Diakon Robert Münderlein Fachanlaufstelle für das Asylthema. Man wolle, so sagte er vor der Synode mit Blick in die Zukunft, über die Diakonie den organisatorischen Rahmen zur Verfügung stellen, um die Betreuung der Asylbewerber zu verbessern und zu intensivieren - natürlich mit Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Helfer.

Im zweiten Teil der Synode stellte Verwaltungsleiter Bertram Haas den aktuellen Haushalt vor, der etwas über 1,2 Millionen Euro umfasst und gegenüber dem Vorjahr (1,14 Millionen) kaum verändert ist. In dem Zusammenhang stand auch die Information darüber auf der Tagesordnung, dass im Dekanatsbezirk Traunstein die Rücklagen in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro nach dem Prinzip „Sicherheit vor Rendite“ in risikolosen Geldanlagen platziert sind.

Und dann wurde noch das System der fünfprozentigen Ergänzungszuweisung diskutiert, das im Dekanatsbezirk zweigleisig läuft. Bis zu einer Höhe, die fünf Jahresbeiträge der Landeskirche entspricht (pro Jahr rund 67000 Euro), wird die Ergänzungszuweisung einem allgemeinen Topf zugeführt, aus dem dann in besonderen Fällen Kirchengemeinden Zuschüsse bekommen können. Wenn die fünf Jahresbeiträge überschritten werden, wird das Geld in eine Rücklage eingestellt, die den einzelnen Kirchengemeinden zugeordnet ist. Diese und mehr Details werden im nächsten Dekanatsausschuss besprochen und sollen dann in der Herbstsynode am 15. November 2014 verabschiedet werden. Und schließlich wurde noch der Beschluss gefasst, dass das Haushaltsrecht auch künftig von der Synode an den Dekanatsausschuss übertragen bleibt, allerdings nur in der jeweils aktuellen Amtsperiode.