Freundlich und achtsam miteinander umgehen

 
Appell von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm – Herzlicher Empfang im Wilhelm-Löhe-Zentrum
Text und Fotos: Hans Eder

Traunreut. Festliche Musik umrahmte den Besuch von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm an allen Stationen seines Besuchs am Dienstagabend im Wilhelm-Löhe-Zentrum in Traunreut. Die größte Begeisterung aller Mitwirkenden verbreiteten wohl die Kinder des Zentrums, als sie mit kräftigem Gesang und viel Temperament dem prominenten Besucher ihr vielstimmiges Lied entgegenschallen ließen. Bedford-Strohm freute sich über diesen Empfang und dankte den Kindern herzlich für ihren Auftritt. Beim Gottesdienst in der Turnhalle, dem ein kurzer Rundgang durch das Zentrum vorausgegangen war, zeichnete er den rund 200 geladenen Gästen das Idealbild einer Gesellschaft, die von einem freundlichen, achtsamen und geduldigen Umgang miteinander geprägt sein sollte.

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm zeigte sich von den Liedern der Kinder aus dem Wilhelm-Löhe-Zentrum sehr angerührt und bedankte sich ganz herzlich bei den kleinen SängernDie Kinder aus den verschiedenen Bereichen des Wilhelm-Löhe-Zentrums – der Schule, der Tagesstätte und des Heims – hatten bereits seit Monaten geübt, um dem Bischof ihre zwei Lieder dann mit dem nötigen Schwung und der ihnen eigenen Begeisterung vortragen zu können. Chorleiter Michael Felsenstein hatte mit ihnen einmal wöchentlich geprobt, und wie die Kinder dann ihr Lied schmetterten, das war berührend, was wohl auch Bedford-Strohm so empfand: „Ihr habt mir damit eine Riesenfreude gemacht“, lobte er, „am liebsten würde ich euch den ganzen Tag zuhören.“ Soviel Zeit war dann doch nicht; aber für ein zweites Lied reichte es schon noch. „Einen Wunsch, den hast du frei“, war der Titel dieses Liedes; begrüßt hatten die Kinder den hochrangigen Besucher mit der eingängigen Melodie von „Komm, bau ein Haus“. Und Margret Winnichner, zweite Vorsitzende des Diakonischen Werks, erzählte dann noch dem Bischof, wie neugierig die Kinder schon auf den Besuch gewesen waren. Mit Fragen wie: „Ja, wann kommt er denn? Wer ist denn der? Was tut er denn?“ hätten sie ihre Gruppenleiter immer wieder gelöchert.

Was der Bischof danach tat, war zunächst Gottesdienst zu feiern. In seiner Predigt rief er seine Zuhörer dazu auf, im Umgang miteinander die Härte abzulegen, sich „nicht die Mäuler über andere zu zerreißen“, Demut zu zeigen und Geduld mit den Mitmenschen zu haben. Man solle, bevor man die Fehler anderer geißelt, an die eigenen Fehler denken und für diese um Vergebung bitten. Freundlich und achtsam solle man miteinander umgehen und daran denken, dass oft gerade kleine, nette Gesten den Unterschied ausmachen. Des Bischofs der Realität angepasstes Fazit lautete: „Wir müssen uns nicht immer lieben. Es reicht schon, wenn wir einander vertragen und vergeben und dem anderen die Fähigkeit zubilligen, sich zu verändern.“

In seiner Predigt rief Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm die Besucher zu einem freundlichen, achtsamen und geduldigen Umgang miteinander auf. Fotos: Hans EderDas die Realität anders aussieht, sei klar: „Anspruch und Wirklichkeit liegen hier auseinander“, stellte der Bischof sachlich fest. Damit dies dennoch wenigstens ansatzweise gelingen könne, empfahl Bedford-Strohm, „die Worte Christi im Gebet in die Seele hereinlassen“, gerade die Vaterunser-Bitte „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ von Herzen zu beten. Und als zweites rief er dazu auf, dankbar zu sein: „Dankbarkeit ist der Schlüssel zu einem erfüllten Leben. Wir sind oft unglücklich und unduldsam, weil wir das Danken vergessen.“ Es gebe so viel Grund, dankbar zu sein, sagte der Bischof abschließend und nahm dann Bezug auf seinen Besuch im Dekanat Traunstein: „Ich habe heute so vieles gesehen, was hier an Arbeit geleistet wird, was Grund genug ist zu danken.“

Die Fürbitten trugen Personen vor, die die Vielfalt des Dekanats repräsentierten: der stellvertretende Dekan Süd, Pfarrer Thomas Schmeckenbecher aus Ruhpolding, Joachim Grytzyk aus Waldkraiburg für die Partnerschaftsarbeit mit Tansania, Klaus Schultze, der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Diakonischen Werks, Alt-OB Fritz Stahl aus Traunstein, Ulrike Tiemann-Glaser vom Wilhelm-Löhe-Zentrum und Martina Völzke aus Töging als Vertreterin des Dekanatsausschusses. Vielfältig war auch die eindrucksvolle musikalische Gestaltung des Gottesdienstes: Ausführende waren der Posaunenchor der Auferstehungskirche Traunstein, das Bläserensemble der Stadtkirche Bad Reichenhall sowie Karin Nagel-Uhlsamer an Klavier und Saxophon sowie Dekanatskantor Matthias Roth am Klavier.

Dekan Peter Bertram stellte nach dem Segen des Landesbischofs fest, dass der Ort des Gottesdienstes, das Wilhelm-Löhe-Zentrum, der genau richtige Platz dafür sei, hier, wo so viele Veranstaltungen, Fortbildungen und auch Feiern stattfinden, wo sich die „kirchliche Diakonie“ und die diakonische Kirche“ so oft treffen. Es sei dem Dekanat eine große Ehre, dass der Landesbischof hier zu Besuch sei: „Vergelts Gott für ihr Dasein“, rief der Dekan dem Besucher zu – und die vielen Besucher aus ganz Südostoberbayern klatschten Beifall.

Der Traunreuter Bürgermeister Klaus Ritter bezeichnete es als eine der herausragenden Aufgaben der Politik, für den schwächeren Teil der Gesellschaft, nämlich die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stützen und zu fördern. Dazu listete all die vielen Jugendeinrichtungen der Stadt auf. Dann ging er noch auf die „Lebenssituation im Alter“ ein und stellte dazu fest, in der Stadt habe man sich „mit der Wohnentwicklung der älteren Menschen“ bisher noch nicht so richtig beschäftigt: Hier sehe er einen großen Nachholbedarf – etwa von neuen Wohnmöglichkeiten wie zum Beispiel Wohngemeinschaften, von barrierefreiem Wohnen und großzügigen Einheiten. „Wir brauchen ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept.“ Die Feier fand ihren Abschluss damit, dass sich Landesbischof Bedford-Strohm ins Goldene Buch der Stadt eintrug. he