„Wir sind hier keine depressive Diaspora“ - Hochrangige Kirchenvertreter informieren sich über die Situation vor Ort

Bericht von der Dekanatssynode am 14.11.2015 in Traunreut.

Text und Foto von Hans Eder

2015 sei ein „Jahr der Besuche“ gewesen, stellte Dekan Peter Bertram in den Mittelpunkt seines Berichts vor der Dekanatssynode, die am Samstag im Wilhelm-Löhe-Zentrum in Traunreut tagte. Die prominentesten Besucher waren Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel, Pfarrer Friedrich Schorlemmer und als echtes „Highlight“ Landesbischof Bedford-Strohm, der vor wenigen Tagen als „oberster Repräsentant der evangelischen Kirche in Deutschland“ bestätigt worden ist. Außerdem war eine vierköpfige Abordnung aus dem Partnerdekanat in Tansania im Dekanat zu Gast.

Dekan Bertram listete die einzelnen Ereignisse auf. So war Regionalbischöfin Breit-Keßler Festrednerin bei der Verleihung der Dietrich-Bonhoeffer-Preise in Traunreut. Die Synodenpräsidentin gab sich gleich drei Mal die Ehre, jedes Mal in Traunstein: beim Gemeindefest, bei der Sommerkonferenz des Pfarrkapitels und beim Diakoniesonntag. Dank der persönlichen Beziehungen des Altöttinger Pfarrers Hans-Ulrich Thoma war der DDR-Bürgerrechtler, Publizist und Pfarrer Schorlemmer zum Pfarrkonvent und zu einer gut besuchten Abendveranstaltung nach Altötting gekommen. Dann gab es noch Besuche der Oberkirchenräte Hans-Peter Hübner und Michael Martin in Traunstein und Bad Reichenhall.

Der Besuch von Landesbischof Bedford-Strohm sei, so der Dekan weiter, „uns noch sehr eindrücklich in bester Erinnerung“. Zu den damals zusammen mit Bedford-Strohm diskutierten Schwerpunkten lieferte Dekan Bertram einige aktuelle Informationen. So sei der Dekanatsbezirk Traunstein der „Allianz für den freien Sonntag“ beigetreten, und zusammen mit zahlreichen Bündnispartnern sei die Sonntagsallianz „Sonntag – da legst di nieder!“ ins Leben gerufen worden.

Wichtig sei es dem Dekanatsausschuss, so der Dekan weiter, die Seelsorge im Alten- und Pflegebereich sowie in den Kliniken zu stärken. Deshalb seien die von der Landeskirche zur freien Verfügung gestellten zwei Stellen für regionale Einsätze  im Beratungs-, Diakonie- und Seelsorgefeld eingesetzt worden. Ein wichtiges Augenmerk gelte auch der Jugendarbeit, die in einem flächenmäßig so großen Dekanat eine besondere Herausforderung darstelle – allein schon wegen der großen Entfernungen. Mittlerweile sei man aber auf einem guten Weg, die gemeindliche Jugendarbeit in Verbindung mit der Dekanatsjugend zu stärken und voranzubringen.

Die Gäste aus dem Partnerdekanat in Tansania bereisten, wie Bertram berichtete, vier Wochen lang das Dekanat und verzeichneten dabei eine Menge an Kontakten. Die langjährige Partnerschaft war dann auch ein  Thema der Dekanatssynode. Dabei ging es darum, die Entscheidung über Partnerschafts-Projekte, bei denen es doch immer wieder um viel Geld geht, zu straffen und zu vereinfachen. Joachim Grytzyk aus Waldkraiburg und seine Frau arbeiten seit 1991 an verantwortlichen Stellen an der Partnerschaft mit; er erläuterte kurz die Neufassung der Richtlinien. Ohne weitere Diskussion wurden die Vereinbarungen dann von den Mitgliedern der Dekanatssynode angenommen.

Bei all diesen Besuchen, so der Dekan abschließend, sei es wichtig, den Gästen die Situation vor Ort zu verdeutlichen. So habe man immer wieder erlebt, dass Besucher beeindruckt waren, etwa wie hier Ökumene gelebt werde oder, wie Dekan Bertram schmunzelnd anmerkte, „dass wir hier keine depressive Diaspora sind“.

Auch die Fortbildung werde  groß geschrieben. So habe es für Interessierte  Themenangebote zu  Konflikten, Öffentlichkeitsarbeit, sexualisierter Gewalt und Asyl gegeben, außerdem habe es zur Halbzeit der Synoden-Periode auch ein Treffen gegeben, um inne zu halten und zu reflektieren.
Ein großes Thema im Dekanat ist der geplante Verbund der beiden Verwaltungsstellen in Traunstein und in Rosenheim, von dem aus auch das Dekanat Bad Tölz mit verwaltet wird. Es wird schon seit geraumer Zeit daran gearbeitet, zwischen den beiden Verwaltungsstellen Synergien herzustellen – allerdings weiterhin als zwei Verwaltungsstellen und an zwei Standorten. Engstmögliche Kooperation wird angestrebt vor allem in den Bereichen Bauen und Finanzen. Der neue Leiter der Traunsteiner Verwaltungsstelle, der nach dem Weggang des bisherigen Leiters Bertram Haas zum Ende des Jahre gesucht wird, soll seinen Posten – so hofft man – zum 1. März antreten.

 

Die stellvertretende Leiterin Kerstin Seidel präsentierte den Haushaltsabschluss 2014 des Dekanats, der 1,55 Millionen Euro Einnahmen und 1,37 Millionen Euro an Ausgaben umfasst. Aus dem Dekanatsausschuss berichtete die stellvertretende Synodenpräsidentin Carmen Baumgärtner. Ein Thema dabei war die zukünftige Ausrichtung der Jugendarbeit im Dekanat und die des Jugendgästehauses Wiedhölzlkaser. Der Betrieb des Hauses mit seinen 66 Betten müsse dringend betriebswirtschaftlich optimiert werden. Um das zu erreichen, wurde ein neuer „Kaser-Ausschuss“ gebildet: Mitglieder sind Bernd Marczynski, Rolf Bechtel, Bertram Haas beziehungsweise ab dem neuen Jahr Dekan Peter Bertram. he